Über Tiere und Menschen und die Macht der Liebe ... und noch so einiges...


Irgendwann vor kurzem habe ich mich zu einer eigenen Homepage durchgerungen, in der Absicht meine Bücher hier einzustellen. Was nicht machbar ist, denn das würde vermutlich die Seiten jeder website sprengen. Da man besagte Bücher nach wie vor käuflich erwerben kann besteht auch keine unbedingte Notwendigkeit dazu.

"Waisenseelen" ist für mich allerdings sehr viel mehr als ein Buch, das ursprünglich geschrieben wurde um dem Tierschutz eines  Vereins, dem ich damals noch angehörte, auf die Pfoten zu helfen. Es ist eine sehr persönliche Reise und da es sich hier um unterschiedliche und abgeschlossene Geschichten handelt ist es auch wesentlich einfacher einige dieser Geschichten hier einzustellen - und auch zu aktualisieren. Sie sind sind zwar nicht überholt – das werden sie nie sein – aber die Lebenszeit unserer vierbeinigen Freunde ist nun einmal um einiges kürzer als die unsere, und daher bleibt es nicht aus dass es bei dieser Aktualisierung auch um Abschied geht. 

Da ich hier über meine Freunde geschrieben habe – oder zumindest über Vierbeiner, die meinen Weg „irgendwann und in irgendeiner Form gekreuzt haben“ – hat mich ihr Weggang immer auch persönlich getroffen. Dennoch überwiegen die Dankbarkeit und die Freude, dass ich an ihrem Leben teilhaben durfte, die Trauer über ihren Verlust.

Sie haben mir ja das Größte und Beste hinterlassen was es in diesem Leben geben kann: ihre Treue und ihre Liebe. Meine Aufgabe ist es wohl dies zu bewahren – und weiterzugeben.

    

Das einprägsame Logo wurde mir von Renate Düser von den "Patras-Hunden" zur Verfügung gestellt. Es zeigt Manthos, eine arme gelähmte Fellnase, eines der vielen Straßenopfer... http://www.patras-hunde.de/manthos-5.html

 

Angefangen hat das Ganze mit einer Urlaubsreise.

 

Im August 1999 saß ich angstschlotternd in einem Flugzeug nach Bulgarien. Vermutlich hatte ich eine Vorahnung, denn  gleich am ersten Tag humpelte mir eine kleine schwarze Hündin über den Weg - nicht nur krank, sondern auch verkrüppelt und zusätzlich halb verhungert. Und mit einem dicken Gesäuge, das mir die Existenz von Welpen signalisierte, die irgendwo verborgen waren.

Ich hatte nicht die allergeringste Lust mich mit dem Strandgut einer gnadenlosen Welt zu befassen, sondern wollte einfach Urlaub machen.

Aber sie ließ mich nicht. 

 Ich fütterte sie drei Tage lang, dann fand ich sie am Straßenrand, überfahren von der Strandbahn. Sie lebte noch und ich musste  einen Mordsaufstand zelebrieren bis ein Tierarzt aus Varna kam, um sie zu erlösen. 

Mehr konnte ich nicht für sie tun - aber da waren noch  ihre fünf Welpen, oben im Wald, die ohne sie verhungern würden.

Somit wurde der Urlaub zu einer abenteuerlichen Rettungsaktion für fünf verwaiste Hundebabys - und mein Einstieg in den Tierschutz.

Und dieser war nicht minder abenteuerlich...

Denn daraus entstand - unter anderem -  ein Buch. 

Und dann noch eines.

Zuletzt waren es vier.


Sie war eine kleine, bulgarische Straßenhündin, die in einem Wald, am Ende des Touristenortes Goldstrand, ihre fünf Welpen zur Welt gebracht und aufgezogen hatte.

Sie teilte das Schicksal hunderttausender herrenloser Hunde, die, verstoßen, verfolgt und heimatlos auf den Straßen um ihr Überleben kämpfen.

Es ist ihre Geschichte - und die ihrer fünf Welpen, die sie als ihr Vermächtnis einer Touristin übergab – und die sich damit unversehens in einer Rettungsaktion für fünf mutterlos gewordene kleine Hunde wieder fand…

Und es ist auch eine Geschichte von Wärme, Mitgefühl und selbstverständlicher Hilfe – und sie erzählt von dem ewigen Funken, der immer – und gerade in den dunkelsten Zeiten  - „Hoffnung“ heißt.

Misas Kinder durften leben; und wenn nichts anderes, so hätte ihr Schicksal und das ihrer Mutter doch eines gezeigt: dass niemand jemals ganz allein ist und dass jedes Leben, ganz gleich wie gering und wertlos es angesehen wird, ein Recht auf Schutz und Fürsorge hat…

  

(Und ich schwöre - ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch nie von "Lauras Stern" gehört!!)


Dann kamen die "Waisenseelen" - das wohl persönlichste Buch. 

In diesem Buch spreche ich für und über Hunde, deren Lebensweg den meinen, irgendwann und in irgendeiner Form, gekreuzt hat. Über Nathan, der für kurze Zeit mein wunderbarer Gefährte war; über Lise und Sisi die mich ihr ganzes Leben lang begleiteten,  und über Robbie, als einen bemerkenswerten Vertreter bulgarischer Straßenhunde.  Maika erzählt ihre Geschichte, die sie aus der Verlassenheit ihres Streunerdaseins in die Geborgenheit einer jungen, oberfränkischen Familie führte, und schlussendlich  kam eine neue Geschichte hinzu: Fynn, mein rothaariger Freund aus Shumen, fand, nach langen  Jahren des Wartens,  ein eigenes Zuhause – buchstäblich in letzter Sekunde. 

Über diese Hunde zu schreiben, hieß  in ihre Schicksale einzutauchen, um irgendwann auf diesem Weg zu erkennen, dass dies auch zu einer Reise in die eigene Geschichte führt.

Jeder von uns, der sich um die Ausgestoßenen und Verlassenen kümmert, trägt auch ein Stück Verlassenheit in seiner eigenen Seele und die Sehnsucht eine Heimat zu finden lebt nicht nur in Waisenseelen.

Sie lebt in jedem von uns.


Dieses Buch hat mich viel Kraft gekostet.

Es beschreibt die Schicksale dreier Hunde, die symptomatisch waren - und sind - für das was sich tagtäglich an Gräueln an Tieren in Bulgarien abspielt - wobei das Land, die Nation, der Staat beliebig austauschbar sind.

Die drei Hunde, deren Geschichte hier erzählt wird, kamen aus den Städten Dobrich und Shumen und wurden schwer verletzt in die Tierheime gebracht, die damals gerade am Entstehen waren.

Alle Hunde in diesen Tierheimen - damals waren es bereits fast 300, eine Zahl die sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt hat - haben eine Geschichte; doch meist weiß man nicht viel mehr von ihnen, als dass sie fast alle schon sehr „nah am Regenbogen“ waren.

 

In diesen Tierheimen gab man ihnen die Chance zu leben - nicht nur zu überleben. Ein Wunder in einem Land in dem der Tierschutz irgendwo im Mittelalter angesiedelt war.

 

 Liesa, Nelson und Maxima waren drei von vielen. Oder auch drei von Millionen...


 Dies ist das letzte Buch - in jeder Hinsicht, denn es wird keines mehr geben.

 

Es berichtet von einer Hoffnung, die 10 Jahre überdauern sollte, und erzählt die Geschichte der Hündin Millie, die in einer Hütte auf einem Berg über Sofia gelebt hat. Sie war, im Leben und im Sterben, eines alten Mannes Gefährtin, dessen langes, obdachloses Leben in einer kalten Winternacht in dieser Hütte endete. Nach seinem Tod wurden sie und ihre zwei überlebenden Welpen nach Losenetz gebracht, das  gerade von der verrufensten Tötungsstation des Landes in ein Tierheim umgewandelt wurde.

Beiden - der  Hündin Millie und dem Isolator Losenetz - gab ich den Namen Nadeshda.

Denn Nadeshda heißt "Hoffnung"...

Millie fand ein Zuhause in Deutschland, wo sie noch immer lebt. Meine Hoffnung für sie  hat sich erfüllt.

Das Tierheim "Nadeshda" schloss im Sommer 2016 seine Tore.

Der Platz, der 10 Jahre lang eine Hoffnung für heimatlose Hunde gewesen war, ist nun öde und leer...und jenseits jeder Hoffnung.