Maxima Anima Fortis

Ich bin das Gestern, das Heute und das Morgen, denn ich werde wiedergeboren.

Aus einem ägyptischen Totenbuch


Ihr Schicksal bewegte unzählige Herzen.

Ihr Tod bewirkte erbebenähnliche Erschütterungen., die sich quer durch die Republik zogen.

Sie starb am 26. Juli 2004 in Deutschland,  sechs Monate nachdem sie in Bulgarien durch drei Kampfhunde so schwer verletzt worden war, dass man ihr Vorder-und Hinterlauf der rechten Seite amputieren musste. Man schläferte sie nicht ein, was zu diesem Zeitpunkt - Januar 2004 - vermutlich eine Gnade gewesen wäre. Bulgariens Tierschutz steckte damals - und wohl auch heute noch -  in den Kinderschuhen, vielleicht sogar erst in den Babysöckchen. Aber der bulgarische Tierarzt, der Maxima mit zertrümmertem Kiefer, zerfetzten Ohren und abgerissenen Läufen auf seinen Behandlungstisch bekam, dachte nicht einen Augenblick an die Todesspritze. Er versuchte sie zusammenzuflicken, so gut es ihm möglich war und hat ihr die Chance gelassen, zu leben. Sein Ordinationsraum lässt sich, was die Ausstattung angeht, mit keiner deutschen Tierarztpraxis vergleichen. (Die Amputation wurde mit einer Kneifzange vorgenommen, weil nichts anderes vorhanden war.) Das Berufsethos allerdings, auf das jeder bulgarische Tierarzt einen Eid ablegt, nämlich Leben zu schützen und zu bewahren, hat er ernst genommen. 

Maxima hat die Eisenstange überlebt, die ein Mensch geschwungen hat, um ihr die Schnauze zu zertrümmern. Sie hat die Hunde überlebt, die sie fast zerrissen haben und die schrecklichen Schmerzen, nachdem sie gerettet worden war.

Ein deutsches Veterinäramt und einen Tierschutzverein, - der sich auf die Fahnen geschrieben hatte sich  um  behinderte und lädierte Tiere  zu kümmern - zu überleben hatte sie keine Chance.

Was sie umgebracht hat, waren nicht Bösartigkeit und Sadismus, sondern menschliche Ignoranz und Überheblichkeit, in deren Wahrnehmung Wunder keinen Platz hatte.

Und Maxima war ein Wunder...


Wann sie geboren wurde weiß niemand. Ihr Todestag jährt sich erst im Juli zum 12. Mal. Aber dies war nicht das Ende der Geschichte. Sie hatte leben wollen - unbedingt und vehement. Und sie ließ sich nicht daran hindern.

 

Am 31.10.2004 kam sie zurück , als Miracle Josha de Conte de Fee. In dem holländischen Zwinger dem ihr Kumpel Ischa entstammte, mit dem sie sechs Wochen in einer Pflegestelle zusammen gelebt hatte. 

"Miracle" bedeutet "Wunder". 

Und das wurde sie nun zum zweiten Mal. 

 

Wer das alles für Spinnerei hält muss ja nicht weiterlesen. 

Wer an Wunder glaubt schon.

Für Dr. Q., der an ihr Leben glaubte

Für Ilka, Sabrina und Ischa, die es  hüteten

 Und für Agi, die ihre Seele wieder fand

 

Wer Maxima das erste Mal sah, dachte: "Oh, der arme Hund" und bemitleidete sie und man war auch geschockt, so ging es mir auch. Aber nicht lange, denn wer sich die Mühe machte und sie kennen lernte, merkte schnell, dass sie weder arm noch bemitleidenswert war.
Maxima war der stärkste und willensstärkste Hund, den ich je gekannt habe, und der lebenslustigste.
Nur die Leute, die Maxima anfangs kannten, sie bemitleideten und immer noch geschockt waren, diese Leute sind selbst zu bemitleiden. Maxima hat uns gelehrt, dass nicht der erste Eindruck zählt, sondern dass man sich Zeit lassen muss auch das Innere zu erkennen, nämlich die Stärke, den Lebensmut und die Lust zu leben. Und jeder, der sich die Zeit nahm, Maxima kennen zu lernen, wusste das auch.

Ilka Martin

es geht demnächst weiter....