Hier geht es jetzt absolut nicht um Tierschutz - aber es gibt ja schließlich noch andere Dinge im Himmel und auf Erden, die des Interesses wert sind. Und Geschichte war schon immer mein Steckenpferd, auch wenn ich damals, im historischen Seminar der FU, grässlich mit meiner schnodderigen Ausdrucksweise angeeckt bin und nach einem Semester ödesten Jahreszahlenpaukens dieses Fach geschmissen habe.

Das brennende Interesse ist geblieben...

Richard III. - der sicher kein Monster, aber vielleicht auch eine Waisenseele war...

Geschichte wird von Siegern geschrieben - und dabei gelogen dass es nur so kracht....

Ein Beispiel das 500 Jahre zurück liegt ist die Dämonisierung Richards III.

Die Gattin hat er vergiftet, den Thron geraubt und anschließend seine beiden Neffen ermordet- laut Shakespeare ein Monster par excellence. So geistert er durch die Jahrhunderte - ich aber glaube, dass er nichts dergleichen getan hat, sondern das  Opfer eines Rufmordes ohnegleichen wurde, angezettelt von denen, die den größten Vorteil davon hatten: den Tudors...

So hübsch wie in der Serie "The White Queen" - in der Aneurin Barnard als Richard und Amanda Hale als halbverrückte Margaret Beaufort die einzig sehenswerten Akteure waren - ist er wohl nicht gewesen, der Duke of Gloucester, aber auch keineswegs ein hässliches Monster - und bucklig schon gar nicht. 

Man hat ihn ja gefunden, 2012, unter einem Parkplatz in Leicester und anhand von DNA eindeutig identifiziert.

Nach seinem Schädel wurde ein Kopfmodell erstellt.

Es zeigt einen durchaus annehmbaren Kerle, mit willensstarkem Kinn und ausgeprägter Nase, mit dem vermutlich nicht allzugut Kirschen essen war - aber das konnte man wohl auch  sonst mit niemandem, der sich in diesen Zeiten behaupten musste - und wollte.

Das Modell - und noch mehr die Wachsfigur von Madame - zeigt genügend Ähnlichkeit mit den Gemälden die von ihm erhalten sind - und sein Skelett, insbesondere der Kopf - machen zum einen deutlich, dass er schwerste Verletzungen erlitten hatte, bevor er starb und dass er nicht bucklig war, sondern an Skoliose litt. Und dennoch aufs  Schlachtfeld ging und dort fiel. 

Sein Gegenspieler, der Tudor, hatte sich auf dem Feldherrnhügel zurück gehalten.

Und überlebt.

 

Warum ich Shakespeare nicht glaube und die Tudors nicht leiden kann...

Shakespeare war Dramatiker, kein Historiker, der sich auch in anderen seiner Dramen durchaus  dichterische Freiheiten erlaubte. Zudem war er Lohnschreiber und wird sich kaum mit der rothaarigen  Elizabeth I. angelegt haben, um ehrenrühriges über ihre Familie zu berichten, und damit an dem Ast auf dem er schließlich saß, zu sägen. 

Schließlich hätte er dann nicht mehr und nicht weniger erzählt, als dass die ganze Tudorsippe falsche Fuffziger waren...

 

Zunächst wäre da der sogenannte Thronanspruch Henrys VII., der gewaltig an den Haaren herbeigezogen ist  - und nicht mal mit einer Matrilinearität begründet werden könnte, denn diese würde ausschließlich Töchter betreffen.

Seine Großmutter war Catherine de Valois, eine französische Prinzessin, mit einem Papa, der an Schizophrenie litt und im Irrsinn starb, und die an Henry V. von England meistbietend verschachert wurde. Den Ehemann musste sie glücklicherweise nur zwei Jahre ertragen, dann starb er an der Ruhr. Sie war also Witwe mit einem einjährigen Sohn, ohne jegliche Macht oder Funktion - und vor allem ohne Aussicht wieder heiraten zu dürfen. Das hätte sie nur mit Erlaubnis desKönigs tun dürfen, der zwar ihr Sohn aber noch ein Kleinkind war und noch weniger zu sagen hatte als sie. Also arrangierte sie sich anders und legte sie sich einen - oder auch mehrere - Lover zu. Einer von ihnen, der Waliser Owen Tudor, schwängerte sie, worauf sie ihn in einer geheimen Zeremonie irgendwann zwischen 1428  und 1432 geheiratet haben soll. Aber nicht mal das ist gesichert, da es durch keine kirchliche oder staatliche Urkunde beglaubigt ist.  Fakt ist nur, dass sie mehrere Kinder mit ihm hatte - allerdings nannte sie in ihrem Testament nur Königsspross Henry VI. als ihren Nachkommen, während  Tudor und die mit und von ihm gezeugten Kinder mit keiner Silbe erwähnt wurden.   

Sie wurde nur 36 Jahre alt und gerüchteweise starb sie, wie ihr Vater, in geistiger Umnachtung  am 3. Januar 1437. 

Soviel also zur Oma Henrys VII.

Catherines Söhne, Edmund und Jasper Tudor, wurden von ihrem Halbbruder, dem König, netterweise als Familienmitglieder anerkannt und zu Earls of Richmond bzw. Pembroke ernannt. 

Edmund heiratete die erst 12 jährige Margaret Beaufort und schwängerte sie flugs. Er starb noch vor der Geburt seines Sohnes Henry an der Pest.

Und damit wären wir bei Henry VII.

Genaugenommen war er der Sohn eines Bastards, durfte sich lediglich - zeitweise -  Earl of Richmond nennen und hatte etwa soviel Recht auf Englands Thron wie ich - aber er nahm es sich. Interessanterweise akzeptierte das Parlament ihn als König, nachdem er bei Bosworth gesiegt hatte -  mit der Begründung er säße ja nun mal auf dem Thron...

Anschließend setzte er eine gewaltige Propagandamaschine in Gang, die seinen sogenannten Anspruch belegen und untermauern sollte - allem voran die Demontierung Richards III.

Wenn ich dem Bild glauben soll, dann schaut mich ein ziemlich unangenehmer Bursche an, mit kleinen, gemeinen Augen, dem ich weder im Dunkeln noch sonstwann gerne begegnen würde. 

Aber das ist - zugegeben - rein subjektiv.

Vielleicht war er ja ein ganz reizender Kerl und so nett und ehrenhaft wie ihn Rebecca Gable in ihrem Roman "Das Spiel der Könige" dargestellt hat.

 

Ich glaube dass er weder nett noch ehrenhaft war. Und außerdem der Vater Heinrichs VIII. - der mit den sechs Frauen - und der war mit Sicherheit nicht ganz dicht...

Französisches Erbteil?  Zur Erinnerung: Ururopa Karl VI. von Frankreich war gaga und starb geisteskrank. Von seiner Tochter, Uroma Catherine, vermutet man ähnliches. Erwiesen ist, dass ihr Sohn - sein Onkel -  Henry VI. ebenfalls in Irrsinn verfiel und schließlich unter nie geklärten Umständen starb. Möglicherweise wurde er ermordet, bevor er England restlos ruinieren konnte.

Und was seine Mutter angeht, die kleine Margaret, die, nicht mal ausgewachsen, von dem doppelt so alten  Tudorbengel vergewaltigt wurde (oder wie soll man das sonst nennen?) so ist sie ein Kapitel für sich...

Auch wenn sie wie ich, am 31.Mai geboren wurde, nur 505 Jahre früher, so enden dort auch schon die Gemeinsamkeiten. Zunächst mal war sie stinkreich -mit einem Einkommen von 1000 Pfund im Jahr war sie  die reichste Erbin in England und außerdem als direkte Nachfahrin von John of Gaunt von königlichem (Lancaster)Blut – rote Rose - also eine sehr wünschenswerte Partie.

1000 Pfund müssen damals ein unglaubliches Vermögen gewesen sein...

(100 damalige Pfund entsprechen heutigen 80.000 Pfund - nicht schlecht...)

Heinrich VI. - Sohn der verrückten Valois - vermittelte sie an seinen Halbbruder Edmund Tudor. Sie war gerade mal 12 Jahre alt - und das war das gesetzliche Mindestalter zur Verheiratung von Mädchen. Sie wurde kurz vor ihrem 13. Geburtstag schwanger und brachte am 28. Januar 1457 in Pembroke Castle, Wohnsitz ihres Schwagers Jasper,  Sohn Henry zur Welt. Dass sowohl das Kind als auch die zart gebaute, noch nicht ausgewachsene Margaret überlebten, grenzte fast an ein Wunder in einer Zeit, in der viele Frauen im Kindbett starben und die Säuglingssterblichkeit hoch war. Margaret nahm bei der Geburt jedoch solchen Schaden, dass sie trotz zweier weiterer Ehen nie wieder schwanger wurde - und vermutlich auch gar nicht werden wollte.

Vielleicht hat auch das Verhältnis zu ihrem Sohn  Schaden genommen, denn 1459 heiratete sie Henry Stafford und überließ das zweijährige Kind der Obhut ihres Schwagers Jasper in Pembroke Castle. 

Als die Burg während der Rosenkriege in die Hände der Anhänger Yorks (weiße Rose) fiel, ging  die Vormundschaft für das  fünfjährige Kind an William Herbert, den neuen Earl of Pembroke über.

Jasper Tudor floh 10 Jahre später, nach der Schlacht von Tewkesbury 1471 mit  dem 15 jährigen  in die Bretagne.

Mutter und Sohn hatten demnach also jahrelang keinen Kontakt - was aber durchaus nicht unüblich war.

 

Das Bild zeigt eine idealisierte Fassung des einzigen Gemäldes das von ihr existiert und das eine verkniffene, freudlose  und beinharte Frau abbildet. Aber als junges Mädchen wird sie vielleicht so ausgesehen haben - bevor sie sich in die Arme Gottes warf und sich einbildete Jeanne d Arc zu sein - oder sowas ähnliches. 

Sie wird als große und würdevolle Person beschrieben und als sehr intelligent und belesen, sprach fließend Französisch und bereute ihr Leben lang, nicht mehr Latein gelernt zu haben - das war ja schließlich die Kirchensprache. Sie war dafür bekannt, jeden Tag mehrere Stunden in Gebet und Meditation zu verbringen, auf den Knien rutschend vier oder mehr Messen täglich zu hören und vor dem Schlafengehen eine Viertelstunde in der Kapelle zu verbringen. Sie hielt die Fastenregeln streng ein und beschränkte sich vor Ostern auf eine Fischmahlzeit pro Tag. Neben ihrem Sohn und dem Verlangen ihn auf Englands Thron zu hieven - was ihr angeblich göttliche Visionen befohlen hatten - war ihr die Religion wichtigster Lebensinhalt.

Amanda Hale hat sie großartig dargestellt, daher auch von ihr ein Bild.

Sie scheint  Einfluss auf ihren Sohn gehabt zu haben und war vermutlich als Schwiegermutter eine wahre Hexe - aber immerhin untersagte sie die vorzeitige Herausgabe ihrer Enkelin Margaret, die mit 9 Jahren nach Schottland verheiratet werden sollte. Der König bekannte kleinlaut dem Unterhändler:

„Die Königin und meine Mutter sind gegen die Hochzeit. Sie sagen, wenn die Ehe geschlossen würde, wären wir verpflichtet, die Prinzessin sofort nach Schottland zu senden und sie fürchten, dass in diesem Fall der König von Schottland nicht warten, sondern sie verletzen und ihre Gesundheit gefährden würde."

Nun - Margaret die Ältere wusste ja schließlich wovon sie sprach...

Eine Abbildung zu finden, auf denen Edward IV. nicht wie ein ausgemachter Milchbubi aussieht ist schwierig - schließlich soll er ja nicht nur ein Frauenhinterhersteiger  sondern auch ein begabter Heerführer gewesen sein - was beides ausdrücklich erwähnt und belegt wird. Es zu glauben fällt mir schwer. Er wurde knapp 40 Jahre alt und war 20 Jahre König - in den letzten Lebensjahren allerdings eher ein Lotterbube, der zuviel fraß und soff und hurte und ganz sicher kein Schönling mehr war...

Elizabeth Woodville muss durchaus  eine Klasse für sich gewesen sein, weil sie - aus niederem Adel stammend, Witwe mit zwei Kindern und fünf Jahre älter - es geschafft hatte den dicken Fisch Edward an Land zu ziehen und von ihm geheiratet zu werden - einen Fisch, der schließlich schon  in vielen Teichen herum geschwommen war. Es war ein saftiger Skandal ohnegleichen, der Edward die Protektion und Freundschaft seines Mentors Richard Neville, Earl of Warwick, kostete, der sich gewaltig krumm gelegt hatte um eine französische Verbindung für den Bruder Leichtfuß zu bewerkstelligen.

Dass es Elizabeth Woodville nicht nur gelang seine Königin zu werden sondern auch noch immensen Einfluss auf ihn zu gewinnen und ihren gesamten  Familienclan in die höchsten und einflussreichsten Positionen zu schieben deutet eigentlich darauf hin, dass sie auf jeden Fall die Gewieftere von beiden war.

Zumindest so lange bis er auf dem Totenbett seinen Bruder Richard zum Regenten und Vormund seiner Söhne bestimmte...

Was sicher ein herber Schlag für die machtbewusste Dame war, die mit einem Rutsch in die Bedeutungslosigkeit abgeschoben wurde, denn dass Richard ihr ihre und ihrer Familie Privilegien lassen - geschweige denn weitere zugestehen und sie über den kleinen König regieren lassen würde, davon durfte sie nicht unbedingt ausgehen.

Sie war die Mutter zweier unmündiger Söhne, von denen einer der Prince of Wales war,  und die beide durch die Jahrhunderte als "Prinzen im Tower" spuken sollten - und fünf überlebender Töchter.

Elizabeth Woodville, die Königin der weißen Rose.

Eine Schönheit soll sie gewesen sein, Elizabeth, die weiße Rose von York, älteste Tochter von Edward IV.  und Elizabeth Woodville.

Nach dem Tod ihres Vaters war sie kurzfristig ihres königlichen Status verlustig gegangen, da die Ehe ihrer Eltern für ungültig erklärt wurde, was Elizabeth und ihre Geschwister (10 an der Zahl!) samt und sonders zu Bastarden machte. Damit waren sie nach gültigem Recht von jeglicher Erbfolge ausgeschlossen. 

Margaret Beaufort scherte das nicht - sie wollte die Verbindung Elizabeths mit ihrem Sohn, um dessen fadendünnen Thronanspruch aufzupolstern.

Nach seinem Sieg über Richard III. - die Ehe ihrer Eltern war wieder anerkannt und sie wieder Prinzessin - wurde sie von Henry Tudor geheiratet und somit Königin von England.

Und bedauerlicherweise auch die Mutter von Heinrich VIII. ...

 

Viele Historiker vermuten, dass Elizabeth von ihrer dominanten Schwiegermutter überschattet und in die häusliche Sphäre abgedrängt wurde. Indizien dafür sind die Berichte von Zeitgenossen. So schrieb einer der spanischen Gäste bei Hofe: „Sie wird von der Mutter des Königs in Abhängigkeit gehalten. Es wäre gut, ihr öfter zu schreiben und ihr ein wenig Liebe zu zeigen.“ 

John Hewyk, ein Diener der Krone, ging so weit zu sagen, dass er gern sehr viel länger mit der Königin gesprochen hätte, „wäre da nicht diese mächtige Hure, die Königsmutter.“ Der Historiker David Starkey selbst bezeichnet Margaret Beaufort für Elizabeth of York als „die Schwiegermutter aus der Hölle.“

Wie die Beziehung der beiden tatsächlich aussah, ist unbekannt.

Natürlich. Aber Elizabeth zog es jedenfalls vor nach 7 Geburten mit 32 Jahren am Kindbettfieber zu sterben, während Margaret noch ihren Sohn überlebte.

Wenn auch nur um wenige Monate.

 

Jedenfalls  endeten mit dieser Ehe die Rosenkriege, denn sie vereinten die Linien Lancaster und York. Seither wurde dieser Bund durch die rot-weiße Rose versinnbildlicht.

Anne Neville, für knapp zwei Jahre Königin von England - und eigentlich  ein bedauernswertes Hascherl...

Ich habe die Internetseiten rauf und runter durchsucht aber kaum andere Bilder von ihr gefunden als dieses ungelenke, sehr frühmittelalterlich anmutende Gemälde, das sie immerhin schon als Königin zeigt. Die anderen Bilder sind Adaptionen davon, bzw. zeigen Faye Marsay in der Fernsehserie The White Queen. .

Sie soll  "schön und tugendhaft" gewesen sein, so Zeitzeugen, und es ist schon verwunderlich dass es kein besseres Bild von ihr gibt als nur dieses eine.

Allerdings hat man ihr auch nur ein anonymes Grab in der Westminster Abbey zugestanden... schon sehr ungewöhnlich für eine englische Königin, wo doch jeder Dorfpoet dort mit dicken Grabmalen prunken darf.

Vielleicht waren im Norden Englands die guten Maler Mangelware. In London scheint es sie gegeben zu haben, wie Bildnisse anderer zeitgenössischer Damen beweisen. 

Auf jeden Fall hatte sie offenbar lange, rote Haare, also bin ich bei Lucas Cranach d.Ä. auf die Suche gegangen, der offenbar eine Vorliebe  für tizianrote Damen hegte, denn er hat eine Menge von ihnen gemalt - und auch wenn  seine Portraits 30-40 Jahre nach Annes frühem Tod entstanden sind stelle ich mir doch vor, dass sie so oder so ähnlich ausgesehen haben könnte...

 

Anne Neville, die Richards Frau und Königin war.

Warum sie ein armes Hascherl war? Vermutlich war sie es nicht mehr und nicht weniger als damals alle Mädchen ihres Standes, die von ihren Familien wie Waren gehandelt und verscherbelt wurden. Als sie  fünf Jahre alt war, wurde König Henry VI. - der Sohn der verrückten Valois und seinerseits gaga -  abgesetzt und Edward IV. - der Schönling - mit Hilfe ihres Vaters zum neuen König gekrönt. Dieser Vater, Richard Neville, Earl of Warwick, erhoffte sich als Dankeschön unter anderem eine Verbindung seiner beiden Töchter Isabel und Anne mit den Brüdern des neuen Königs, George und Richard. Als Edward ihm was hustete, drehte er den Spieß kurzerhand um, überredete George sich gegen seinen Bruder zu wenden und Tochter Isabel zu heiraten, zog - zunächst siegreich - gegen Edward zu Felde, holte ihn vom Thron wieder runter und pflanzte den abgesetzten Henry, der irgendwo vor sich hin dämmerte, wieder drauf. Tochter Anne, inzwischen 14 Jahre alt, wurde mit dem Sohn besagten Henrys - kurzzeitig wieder Kronprinz - vermählt, der ein rechter kleiner Widerling gewesen sein soll. Edward, nicht faul, ging seinerseits auf den Kriegspfad, holte sich seinen Thron zurück und ließ Warwicks Kopf auf eine Pike spießen und sein - beträchtliches - Vermögen einziehen. Annes Gemahl überlebte ebenfalls nicht, was vermutlich weder für die Geschichte noch für Anne ein Nachteil war. Edward IV., eindeutig zu weichherzig, verzieh seinem Bruder, der daraufhin noch ein paarmal die Seiten wechselte, sich aber zunächst nicht nur Isabels sondern auch Annes Erbteil unter den Nagel riss. Anne selbst gedachte er ins Kloster abzuschieben.

Glücklicherweise war Richard auf Draht und zur Stelle.

Welche Gründen man ihm auch immer unterstellen möchte - er hat sie gesucht, gefunden und gerettet.

Der üble George war logischerweise und vehement gegen eine Ehe der beiden, denn damit lief er Gefahr einen Großteil des Vermögens - nämlich das Anne zustehende Erbe - herausrücken zu müssen. Der Zank ging vor den König, der aber nicht unbedingt ein weises Händchen in Sachen George hatte; zwar gestand er die Ehe zu - die zu diesem Zeitpunkt im übrigen bereits geschlossen war - aber Richard verzichtete  schließlich auf den Großteil von Warwicks Besitztümern, so etwa auf die Grafschaften Warwick und Salisbury. Vermutlich wird noch genug übrig geblieben sein, zumal die Mutter der beiden Mädchen ebenfalls einiges zu vererben hatte, was man ihr kurzerhand damit stibitzte indem man sie für tot erklärte.

Und als George schließlich den Bogen überspannte und hingerichtet wurde fielen seine Reichtümer ohnehin an Richard.

(Falls jetzt jemand die Stirn runzelt: alle Besitztümer die eine Frau in die Ehe einbrachte gingen mit der Eheschließung in den Besitz ihres Gatten über - und zwar noch bis weit ins 19 Jhr. hinein...)

Allerdings soll er sich massiv gegen die Hinrichtung seines Bruders gewandt haben, also kann man ihm vielleicht gesundes Besitzstreben nicht aber Habgier unterstellen...

 

Die Ehe währte 12 Jahre und soll  harmonisch gewesen sein.

Richard hatte zwei uneheliche Kinder anerkannt, die aber beide vor seiner Ehe, noch in seiner Teeniezeit,  entstanden waren. Er war ja gerade 19 Jahre als er Anne ehelichte. Während der Ehe sind keine Seitensprünge bekannt geworden.

Beide  kannten sich seit Kindertagen, denn Richard war schon als Junge in den Warwickschen Haushalt aufgenommen worden - eine allgemein übliche Praxis.

Ihr einziger Sohn starb im Kindesalter, vermutlich wird er 9 oder 10 Jahre alt gewesen sein.

Anne überlebte ihn um kaum ein Jahr.

Es wird angenommen dass sie an Tuberkulose starb, wie möglicherweise auch ihr Sohn und ihre Schwester.

Richards Trauer um beide soll - nach Zeitzeugen - groß gewesen sein. Es wird berichtet er habe bei den Beisetzung geweint.

Der Leichnam der verstorbenen Königin, die der mit ihr bekannte Historiker John Rous als schön, liebenswürdig und tugendhaft beschrieb, wurde in der Westminster Abbey in einem anonymen Grab rechts des Hochaltars beigesetzt...

Es soll schwer zu finden sein - aber ich werde es suchen...

Liebte er sie? Ich denke ja - aber wer  weiß es schon...

 

Sie war die erste Königin, die gemeinsam mit ihrem Mann gekrönt wurde.

 

Anne erkrankte nicht lange nach Weihnachten 1484. Bis zu ihrem Tod am 16. März verließ  Richard niemals den Palast von Westminster, wo sie im Sterben lag, außer für insgesamt 2 Tage, als er in Windsor war.

Ja - ich glaube Richard liebte seine Frau und dass er sie vergiftet hat ist eine der vielen Lügen, die später  verbreitet wurden. (Zum Vergleich: als sein Bruder im Sterben lag ließ er weder nach der Königin schicken, noch kam sie aus eigenem Antrieb an sein Sterbebett - aber niemand behauptete jemals sie habe  bei seinem plötzlichen Ableben die Finger im Spiel gehabt) Er hätte sonstwohin gehen können, aber er tat es nicht. Er blieb bei  ihr bis  sie starb - und verließ  Westminster am Donnerstag, den 12. April - um niemals zurückzukehren. Fünf Monate später war auch er tot.

Dies zu erleben blieb ihr erspart.

Und somit kommen wir zu Richard...

Die meisten Portraits die überliefert sind, entstanden  - wie dieses hier- zwischen 1518  bis 1550  und sind vermutlich nach Originalen entstanden, die nicht erhalten sind. Nach ihnen  zu urteilen war er der einzige der Brüder der dunkelhaarig war. So wird er bis heute überwiegend kolportiert. Da man ihn gefunden und zweifelsfrei identifiziert hat wurden Genuntersuchungen vorgenommen die nahelegen, er sei blond und blauäugig gewesen - wie die anderen beiden. Und es gibt durchaus auch Portraits, die ihn hellhaarig zeigen.

Aber ob nun blond oder brünett - er unterschied sich sehr von den beiden Hallodris. Er war weder ein Frauenverschwender wie Edward noch ein egozentrischer Schwachkopf wie George, der seine wenigen Gehirnzellen zusätzlich im Alkohol ertränkte und sich dabei einredete der bessere König zu sein. 

Dass er bucklig gewesen sei will uns Shakespeare weismachen - und der hat es von Thomas Morus - und der wiederum von John Morton, dem Erzbischof von Ely, einem Erzfeind von Richard, ein karrieregeiles Früchtchen zu dem wir noch kommen werden.

Er erkrankte vermutlich in seinem 10.Lebensjahr an der Skoliose, eine Rückgratverkrümmung die durch zu schnelles Wachstum entstehen kann. Seine Brüder waren hochgewachsen; er selber, so hat man festgestellt, wäre ohne die verbogene Wirbelsäule vermutlich etwa 1.75 m groß gewesen. So waren es gerade 1.61 m. 

 

Richard war nicht nur ein kampferprobter sondern  auch ein tapferer Mann - das wird nicht mal von seinen Feinden bestritten, was auch schwierig wäre angesichts der Tatsache, dass er  schon mit 18 Jahren seines Bruders bester Feldherr war, der ihm in allen Schlachten zur Seite stand und im Norden die Schotten vom Hals hielt - und der aufs Schlachtfeld ging um sein Königreich zu verteidigen, wo er kämpfte -  durch die Kriegerkrone auf dem Helm weithin sichtbar - bis man ihn mit mindestens elf Hieben niedermachte, anschließend ausplünderte, nackt über den Rücken seines Pferdes warf und öffentlich ausstellte. Ein ziemlich ungewöhnliches Verfahren mit der Leiche eines toten Königs umzugehen - und es wirft ein deutliches Licht auf den "Sieger" - dessen Sieg nur durch Verrat zustande kam, weil  Richards Verbündete, Thomas und  William Stanley, die dem gekrönten König den Treueid geleistet hatten, die Seiten wechselten.

Zu erwähnen ist, dass William Stanley der dritte Ehemann der ach so frommen Margaret Beaufort war - und die wiederum war, wie bereits erwähnt, Henry Tudors Mutter. 

Die Mannen, die Tudors Banner folgten, waren überwiegend französische Truppen oder Söldner, die keinesfalls freudig in England empfangen wurden, wie uns Thomas Morus - der zu diesem Zeitpunkt übrigens erst 5 Jahre alt und kaum ein Augenzeuge war - glauben machen will.  

Seine letzten Worte, die überliefert sind, lauten im übrigen nicht - wie Shakespeare sagt  "ein Pferd, mein Königreich für ein Pferd" sondern: "Verrat!Verrat!"

 Am 7. August 1485 landete Henry Tudor  in England und ging  mit walisischen und französischen Truppen sowie einem Söldnerkontingent an Land.  Richard zog ihm entgegen, und am 22. August wurde bei Market Bosworth um die Krone Englands gekämpft.

Zunächst schien Richard mit seinem zahlenmäßig überlegenen Heer die Oberhand zu behalten; als er jedoch versuchte, den passiv agierenden Tudor direkt anzugreifen, wechselte Richards Verbündeter  William Stanley  die Seiten. Für Richard bedeutete dies das Todesurteil. 

Er war schon in die Knie gegangen und hatte seinen Helm verloren oder vom Kopf gezogen, als ihn die tödlichen Hiebe trafen. Davon gehen die Mediziner aus, die Schädel und Gebeine des  Königs unter anderem mit Computer-Tomographie untersucht haben.  Nach Meinung des Gerichtsmediziners Guy Rutty von der Universität Leicester war auch eine Verletzung am Unterkörper Richards so schwer, dass der damals 32 jährige an ihr gestorben sein könnte.

Insgesamt fanden sich an den sterblichen Überresten, die 2012 bei einer gezielten Grabung unter einem Parkplatz in Leicester gefunden wurden, elf Hieb- oder Stichverletzungen, wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift „The Lancet“ schreiben. Die Art der Verletzungen entspricht demnach zeitgenössischen Berichten, in denen es heißt, Richard habe sein Pferd bereits aufgegeben, weil es in einem Sumpf feststeckte.

 

Bei den tödlichen Hieben gegen seinen Kopf hielt er seinen Kopf gesenkt, wie Rutty schreibt. Das zeigten die massiven Verletzungen an der Schädelbasis. Auch das stimmt mit den überlieferten Quellen überein: Richard soll letztlich von dem walisischen Adligen Rhys ap Thomas mit einer Streitaxt erschlagen worden sein. 

Aus den Quellen ist überliefert, dass die nackte Leiche Richards auf ein Pferd gebunden und in das etwa 25 Kilometer entfernte Leicester gebracht wurde, wo der gefallene König aus dem Hause York nach der Schlacht am 22.August  in einem weiteren Akt der Demütigung in einer Kirche des Hauses Lancaster zur Schau gestellt wurde. 

Übrigens fehlten dem - ansonsten intakten Skelett - die Füße...

Am 22. März 2015, 530 Jahre nach seinem Tod wurden die Gebeine Richards III. in einem schlichten Eichensarg mit militärischen Ehren nach Leicester überführt. Der Sarg wurde drei Tage lang ausgestellt und von 20.000 Besuchern besichtigt, die Tausende weißer Rosen - das Symbol des Hauses York - dort ablegten.  Richard wurde am 26. März 2015 nach einwöchigen Feierlichkeiten in mehreren Orten in Leicestershire, die mit seiner Lebensgeschichte verbunden sind, in der Kathedrale von Leicester in einem Bleisarg neu bestattet. Für ein entsprechendes Grabmal hatte die Richard III. Society 10.000 Pfund gestiftet. Der Erzbischof von Canterbury Justin Welby präsidierte über der Trauerfeier.

Die Wahl des Bestattungsortes hatte für Kontroversen gesorgt; es wurde kritisiert, dass der König nicht in York beigesetzt wurde.

Ich habe mit dem Ende begonnen - seinem Tod.

Interessanter war eigentlich sein Leben, - geb.2. Okt 1452-  das geprägt war von Pflichtgefühl und seinem Leitspruch: Loyaulté me lie - Treue bindet mich.

Ich habe mich durch einige Literatur gelesen und finde u.a. Paul Kendalls Biografie empfehlenswert.

Hier ein paar kurze Auszüge: 

 

"Richard III. König von England,  Mythos und Wirklichkeit"

Richard III. wuchs bis Sommer 1459 in Fotheringhay auf. Seine Spielkameraden waren sein Bruder George und seine Schwester Margaret. ...

 Im Januar 1464 wurde er von seinem Bruder Edward erstmals mit der Aushebung von Truppen in 9 der 22 Grafschaften betraut. (da war er 12 Jahre alt!) Nach der Vermählung Edwards IV. und seinem Streit mit dem Grafen von Warwick wurde Richard an den Hof gerufen, der von Angehörigen der Familie WOODVILLE beherrscht wurde, und seine ritterliche Ausbildung (am Hofe des Earl of Warwick) war beendet. Obwohl dem unauffälligen, verschlossenen und sicherlich einsamen Richard das lockere Leben am Hofe mißfiel, ließ er sich nicht in die Umtriebe von Clarence (Bruder George) und Warwick gegen den König hineinziehen.

Im September 1469 wurde er zum Connetable von England auf Lebenszeit ernannt. (17 Jahre!) Als Connetable war er nicht nur Präsident des Ritterschaftsgerichts und der Kriegsgerichte, sondern er besaß auch die Vollmacht, über verräterische Handlungen durch einfache Prüfung des Tatbestandes zu entscheiden und die Strafe festzusetzen. 

... Er hatte wiederholt mit von der LANCASTER-Partei geschürten Aufständen in Wales zu kämpfen und verhinderte im März 1470 (18 Jahre) durch sein entschlossenes Auftreten den geplanten Abfall von Lord Stanley zugunsten von Clarence und Warwick, die daraufhin die Flucht nach Frankreich antreten mußten. 

 In der Schlacht bei Barnet am 14.4.1471 gegen ein NEVILLE-LANCASTER-Aufgebot unter dem Befehl des Grafen von Warwick befehligte Richard (19 Jahre!) den rechten Flügel und in der siegreichen Schlacht bei Tewkesbury am 4.5.1471 gegen die LANCASTER den linken Flügel. Im Verlauf der  kampferfüllten Monate war Richard bald  des Königs erster Heerführer, die Hauptstütze seines Thrones und sein vertrauenswürdigster Beamter geworden.  Er war schon Gouverneur der Westmark an Schottlands Grenze und erhielt nun noch die Befehlsgewalt über den Earl von Northumberland, den Gouverneur der Ost- und Mittelmark. 

Nach der Heirat mit Anne Neville, die sein  Bruder (George) mit allen Mitteln zu verhindern suchte,  zogen sich beide aus Abneigung gegen das Hofleben in das Schloß in Wensleydale zurück.  Im Jahre 1473 befreite er seine Schwiegermutter, die  im Kloster Beaulieu eingesperrt war, und gab ihr Wohnung auf seinem Besitz. (in Middleham) Im Februar 1475 wurde ihm das Amt des Sheriffs von Cumberland auf Lebenszeit übertragen .

Er begleitete im Sommer 1475 (23 Jahre) seinen königlichen Bruder auf seinem Feldzug nach Frankreich und lehnte den Abschluß des Waffenstillstandes ab, wodurch er sich die Feindschaft Ludwigs XI. von Frankreich zuzog, die später bedeutsam werden sollte. Auch in der Beziehung zu seinem Bruder Eduard IV. kam eine leichte Entfremdung auf, da er sich mit dessen Haltung in dieser Sache nicht ganz abfinden konnte. Nach anderthalbjähriger Abwesenheit vom Hofe wurde er Anfang 1477 von seinem Bruder nach London gerufen. Nach der von den WOODVILLES betriebenen Hinrichtung seines Bruders (George) Clarence, die er nicht verhindern konnte, wurde er erneut Großkämmerer von England. Den Norden, der voll war von Sympathien für LANCASTER und Erinnerungen an das Haus NEVILLE  konnte er befrieden und mit dem Hause YORK  versöhnen. Er weilte in den nächsten vier Jahren nur zweimal in London und kämpfte 1482/83 erfolgreich gegen Schottland. 

In vielem war Richards Politik darauf ausgerichtet, das Werk seines Bruders zu vollenden. Er war zugänglich, ernsthaft und an allem interessiert und gab den großen Lords Vollmachten in ihrem Gebiet für Ruhe und Ordnung und Sicherheit zu sorgen. Auf diese Weise suchte er der alten Funktion des Königs als Haupt der Lehnsverfassung neuen Sinn zu verleihen und eine Umwandlung des im Sterben liegenden Lehnswesen herbeizuführen, indem die adligen Grundbesitzer jetzt als Vertreter des Königs eine aktive Rolle ausüben sollten. Er bevorzugte Leute aus dem Norden für wichtige Aufgaben und verringerte durch seine Freigebigkeit die Einnahmen der Krone sehr, womit er auch die Möglichkeit das für einen Krieg nötige Geld aufzubringen, verringerte. Sein großmütiges Verhalten gegenüber Northumberland und den STANLEYS könnte man als weise Versöhnungspolitik bezeichnen, aber bei der Lage der Dinge und bei der politischen Vergangenheit dieser Herren können die Machtbefugnisse, die Richard sie ausüben ließ, keinesfalls als realpolitisch angesehen werden. Trotz seines Unvermögens, den Menschen in sich vom König zu trennen, scheint seine Regierung allgemein ziemlich beliebt gewesen zu sein. In der Schlacht bei Bosworth (22.8.1485) verlor Richard durch den Verrat der STANLEYS und des Grafen von Northumberland trotz tapferer Gegenwehr Krone und Leben, als Sir William Stanley den fast verlorenen Heinrich Tudor (Stanleys Stiefsohn) noch vor dem Untergang rettete. 

Durch die TUDOR-Geschichtsschreibung, der auch Shakespeare aufsaß, wurde Richard III. zum Erzschurken gestempelt. 

 

Das hört sich alles nicht nach einem machtgierigen Monster an - schauen wir doch, was ihm noch so alles in die Schuhe geschoben wurde:

1. Richard habe den abgesetzten König Heinrich VI. (den Irren) persönlich ermordet. 

Als Heinrich Ende Mai 1471 in London starb weilte Richard hunderte Kilometer entfernt an der schottischen Grenze.

2. Er habe seinen Bruder George, Herzog von Clarence als lästigen Konkurrenten durch gedungene Mörder in einem Fass voll Malvasierwein ertränken lassen. Tatsächlich hatte Clarence mehrfach Verschwörungen und Rebellionen gegen die Krone angezettelt und war deshalb von seinem Bruder König Edward IV. mit Billigung des Parlaments zum Tode verurteilt und hingerichtet worden (1478). Ob er tatsächlich ersäuft wurde ist nicht geklärt.

Richard war dagegen, konnte es aber nicht verhindern. Angezettelt hat es wohl eher der Woodville-Clan, unter Führung der Königin, die George übelst auf dem Kicker hatte. 

3. Die beiden unmündigen Söhne König Edwards seien auf Richards Befehl 1483 umgebracht worden. Das  Verschwinden der beiden Prinzen gehört bis heute zu den Mysterien englischer Geschichte. Welchen Anteil Richard daran besaß, ist völlig ungeklärt. Die Behauptung, er hätte die Knaben im Tower „eingesperrt“, ist aber falsch. Im ausgehenden Mittelalter diente der Tower noch nicht als Staatsgefängnis, sondern war vielmehr ein komfortabler und sicherer Palast. Es scheint so, als habe Richard seine Neffen eher schützen als beseitigen wollen.

Dazu später mehr.

Getreu der damals herrschenden Maxime, ein bösartiger  Geist müsse in einem hässlichen Körper wohnen, dichtete man Richard  allerlei äußerliche Makel an. Bei Shakespeare beschuldigt der König das Schicksal:

„Meinen Arm wie einen dürren Strauch mir zu verschrumpfen,

dem Rücken einen neidischen Berg zu türmen,

die Beine von ungleichem Maß zu formen.“

Mit anderen Worten: Richard litt unter einem großen Buckel, einem verkümmerten Arm und ungleich langen Beinen.

Ist das wirklich wahr?

Zunächst kann man feststellen, dass die wenigen zeitgenössischen Porträts keinerlei Behinderungen zeigen. Die Vermutung, der jeweilige Maler habe schmeicheln wollen, ist unwahrscheinlich. Die Porträtkunst Ende des 15. Jahrhunderts war von schonungslosem Realismus geprägt. Richards Zeitgenosse König Ludwig XI. von Frankreich etwa trägt eine monströse Gurkennase zur Schau.

Verdächtig ist weiter, dass kein zeitgenössischer Bericht diese massiven Behinderungen erwähnt. Eine dieser zeitgenössischen (und objektivsten) Beschreibungen von Richard III. ist die des deutschen Diplomaten Nikolaus von Poppelau. Er  schreibt im April 1484 aus London: „ein hochgeborener Fürst, drei Finger größer als ich, aber ein bisschen schlanker und nicht so dick wie ich bin und viel leichter gebaut; er hat schlanke Schultern und Oberschenkel. "

Wie bei anderen zeitgenössischen Beschreibungen gibt es keinen Hinweis auf gebeugten Rücken oder verdorrten Arm.

 

 Das hat nichts mit Shakespeares Quasimodo-Gestalt zu tun.

Schließlich widersprechen sich Richards Verleumder selbst. Unisono erwähnen sie, er sei auf dem Schlachtfeld ein tapferer Kämpfer Mann gegen Mann gewesen. Aus der Schlacht von Bosworth 1485 wird berichtet, wie er mit eingelegter Lanze auf den Bannerträger seines Widersachers losstürmte und ihn mit voller Wucht vom Pferd stieß. Weiter heißt es: „Er schlug sich mit John Cheney, einem Mann von ungeheurer Körperkraft. Der König machte ihn mit großer Heftigkeit nieder und hieb sich links und rechts den Weg frei.“

Um derart zu kämpfen, braucht man zumindest zwei gesunde Arme, einen beweglichen Körper und sicheren Halt im Sattel. Dem Shakespeare’schen Krüppel wäre dergleichen unmöglich gewesen. Da er, wie man heute genau weiß, eine verkrümmte Wirbelsäule hatte, sollte man davon ausgehen, dass er über eiserne Willensstärke verfügte, um die Schwächen seines Körpers auszugleichen. Ohne Schmerzen kann er seit dem Ausbruch der Krankheit in seinem 10. Lebensjahr ja nie gewesen sein. Da der König kontinuierlich als  großer Kämpfer beschrieben wurde, musste Richard trotz der schlanken Statur, trotz des Schmerzes der Behinderung, seine Muskeln aufgebaut haben. (Ein Schwert des 15. Jahrhunderts wiegt zwischen fünf und acht Pfund, und sowohl Kraft als auch Balance müssen vorhanden sein.) 

Studiert man zudem noch die authentischen Berichte jener Zeit über Richards Loyalität, Gerechtigkeitssinn und Staatsklugheit, so darf man in Abwandlung eines Verses von Wilhelm Busch sagen:

Es lautet der Spruch des historischen Gerichts:

Mit dem bucklig-bösen Richard ist es nichts.

 

Richard war der König, der die Unschuldsvermutung als Grundrecht verankert hat, die Einführung der Freiheit auf Kaution, die Übersetzung von Gesetzen ins Englische veranlasst hat ... Ironisch, dass er selbst das Opfer schlimmster Verurteilungen wurde, die sich auf nichts als Propaganda gründet, die bestrebt war, die Dynastie von Richards usurpatorischem Widersacher Henry VII. zu legitimieren.

John Morton. Bischof von Ely https://de.wikipedia.org/wiki/John_Morton_(Erzbischof) 

Er  wurde 1483, unmittelbar nach dessen Thronbesteigung, von seinem „Erzfeind“ König Richard III. verhaftet, flüchtete und schloss sich   Henry Tudor auf dem Kontinent an. Nach dessen Thronbesteigung avancierte Morton zum königlichen Berater.

1486 wurde er zum Erzbischof von Canterbury, 1493 durch Papst Alexander VI. zum Kardinalpriester von Sant’Anastasia erhoben.

Morton machte man oft für die rabiaten Methoden verantwortlich, mit denen er für die königliche Verwaltung Geld eintrieb. Die Steuern und Zwangsanleihen dieser Zeit waren als Morton Forke bekannt, und des Öfteren verlangte man seine Amtsentlassung.

Eine steile Karriere...

Er überzog Richard mit zahlreichen Verleumdungen, die wesentlich zu dessen verzerrtem Bild beigetragen haben. Und die Thomas Morus getreulich kolportierte.

12.7.1472 oo  Anna Neville, Tochter des Grafen Richard II. von Warwick, 1453 † 16.3.1485 

  Kinder:

  Eduard Prinz von Wales, Graf von Salisbury 

  1473 † 9.4.1484 

Illegitim

  Katharina 

  um 1465/70 † nach 1483