Der Menschen Güte und der Wolf Navarre

Am Montag, 9. Januar 2012, um 13.30 Uhr, wird das Forschungszentrum Monte Adone, auf Intervention der Provinzpolizei von Montorio, gebeten, einen verletzten Wolf in der Gemeinde Camugnano zu retten.

Betreiber des Zentrums, einschließlich Tierarzt, machten sich auf, versehen mit allen notwendigen Geräten (Käfig, Bahre, Sauerstoff, Narkosegewehr, Verbandskästen, etc.), zusammen mit der Landespolizei, der Presse und etlichen Bürgern.

 

 

 

Der Wolf, ein ausgewachsener Rüde, trieb in den eisigen Gewässern des Flusses Limentra, in der Nähe der Küste. Das Tier stand offensichtlich unter Schock und war zudem in einem Zustand schwerer Mangelernährung, eindeutig unterkühlt, und zeigte eine Lähmung der Hinterbeine.

 

Als man ihn aus dem Wasser gezogen hatte hörte sein Herz auf zu schlagen.

 

Und nun geschieht das Unglaubliche: mit vereinten Kräften, inklusive Herzmassage und Mund-zu-Schnauze-Beatmung holte man ihn zurück!

Und brachte ihn dann, dessen Ohren leise zuckten, auf die Intensivstation, wo er Tag und Nacht überwacht und behandelt wurde.

Er war sehr krank, hatte extremen Gewichtsverlust, Dehydrierung, Lähmung der Hinterhand; Hautentzündung mit großen kahlen Stellen, wahrscheinlich von Räude verursacht. Infektion einer deutlichen Lebererkrankung; zusätzlich waren 35 Schrotkugeln über seinen Körper verteilt. 

Das Tier war - wahrscheinlich lange vorher – von mehreren Schüssen getroffen worden.

Ein MRT zeigte Spondylose zwischen dem 4. und 5. Brustwirbel, eine Form entzündlich-infektiöser Bandscheibe und der umgebenden Gewebe. 

Dies führte zu einer Kompression des Rückenmarks, die die Ursache für die Lähmung der Hinterbeine ist.

Eine umfangreiche Therapie begann und zeigte Fortschritte. Man wollte ihn so weit wieder herstellen, dass er ausgewildert werden konnte.

Navarre nahm alle Behandlungen mit Geduld an, wollte offenbar gesund werden und leben...

 

 

 

März 2012

 

Fast zwei Monate nach seiner Ankunft ist das gesamte Personal mit den offensichtlichen Fortschritten zufrieden.

Navarre hat zugenommen, die Räude besiegt und neues, schönes Fell bekommen; auch die übrigen Probleme (Darm, Herz, Urogenitalien) sind fast vollständig überwunden.

Angesichts der Lähmung der Hinterläufe und des schweren Muskelschwunds ist es großartig ihn wieder laufen zu sehen, und wie er an Stärke gewinnt.

Aber noch hatte er nicht die völlige Beherrschung über seine Gliedmaßen zurück erlangt, die für eine Auswilderung unabdingbar waren.

 

https://www.youtube.com/watch?v=ANF_t3NGBqE

11. Mai 2012: Ciao Navarre...

 

Der Traum, Navarre der Wildnis zurück zu geben, schien greifbar nahe. Er befand sich bereits in einem Freigehege des Riabilitazione Purtroppo. Da er ständig überwacht wurde erkannte man dass es ihm plötzlich schlechter ging und brachte ihn sofort in die Klinik.

Dort starb er wenige Stunden später.

Die Todesursache sollte geklärt werden, aber ich habe sie nicht gefunden.

Die Berichte nach seinem Tod zeigen Wärme, Zärtlichkeit und fassungslose Trauer.

Und das nicht nur für ihn, sondern für jeden seiner Art, die, so der Kontext, es verdient geliebt, geschützt und respektiert zu werden.

 

Danke, dass es dich gegeben hat, Navarre. Und dass du uns die helle Seite der Menschen gezeigt hast.

Schlaf gut.

 

https://vimeo.com/39285556